Lehrveranstaltungen Kunstakademie Düsseldorf

WS 2005/06  
Einführung in die Ästhetik – Theorie der Sinne oder Philosophie der Kunst?
Welchen philosophischen Status hat der Diskurs der Ästhetik. Worin besteht die Erkenntnisleistung sinnlicher Wahrnehmung? Ist eine Theorie über Kunst möglich? Kommen wir dem, was ein Kunstwerk ausmacht, damit auch nur einen Schritt näher? Wie verhalten sich das Schöne, das Erhabene und die Kunst zueinander? Wodurch ist Schönes schön? Wodurch ist Kunst Kunst? Lässt sich über Geschmack streiten? Können ästhetische Urteile objektiv begründet werden? Wie ist eine subjektive Allgemeinheit des ästhetischen Urteils zu denken? Wie verhalten sich Sprache und ästhetisches Objekt zueinander angesichts der Uneindeutigkeit ästhetischer Gegenstände?Anhand ausgewählter Texte von Platon, Plotin, Baumgarten, Kant, Danto, Blumenberg, Sontag, Welsch, Goodman u.a. sollen im Seminar folgende Perspektiven historischer und systematischer Problembestände der Ästhetik eröffnet werden:
•    Ästhetik als Aisthetik – Erkenntnis und sinnliche Wahrnehmung
•    Das Schöne
•    Mimesis – Kunst, Natur und Nachahmung
•    Die Autonomie der Kunst
•    Kunst als symbolische Ausdrucksform

 


SS 2005  
Iconic Turn? Bildphilosophische Überlegungen in erkenntnistheoretischer, ästhetischer und künstlerischer Perspektive von der Antike bis heute

Was macht ein Bild aus bzw. in welcher Verbindung stehen das gesehene, das gemachte, das gedachte, das imaginierte, das innere, das äußere, das mediale, das künstlerische Bild? Das Seminar wird die aktuelle bildtheoretische Debatte, die sich hinter der Formel des iconic turn verbirgt, aufgreifen und auf ihre philosophischen Implikationen hin befragen. Das in den theologisch-politischen Bilderkämpfen sowie in der Platonischen Verhältnisbestimmung von Urbild und Abbild zum Vorschein tretende Misstrauen Bildern und deren Macht gegenüber wird kontrastiert mit der Frage nach der Bedeutung des Bildes und des Kunstwerks im Erkenntnisprozess. Hermeneutische, bildsemiotische und metapherntheoretische Überlegungen rücken die Beziehung von Bild und Sprache, Bild und Symbol, Bild und Körper, Bild und Kompetenz in den Blickpunkt.

 

WS 2004/05

Zwischen Natur und Kultur. Einführung in die Kulturphilosophie (Rousseau, Freud, Cassirer, Simmel, Lévi-Strauss, Blumenberg u.a.)

Kann die Kultur als „Zauberformel unserer Gegenwart“ (Hofmann/ Korta/ Niekisch) dienen oder ist die Kulturphilosophie „vielleicht das fragwürdigste und am meisten umstrittene Gebiet“ (Cassirer). Während es schon schwierig ist, den Begriff der Kultur über seinen Aspektreichtum hinweg einheitlich zu fassen und zu verstehen, bietet die Frage, welche Aufgabe einer Philosophie der Kultur zukommen kann, noch größere Probleme. Schon im Prometheusmythos steht die Kultur der Natur des Menschen scheinbar unversöhnlich gegenüber. Rousseaus Konstitution eines fiktiven Naturzustandes bietet einen Bezug zu Francois Truffauts „Wolfsjungen“ an. Rousseaus frühe Kulturkritik erhält zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter anderen Vorzeichen neue Aktualität, sei es in Freuds kulturkritischer Schrift „Vom Unbehagen in der Kultur“ oder in Simmels „Tragödie der Kultur“. Die Verbindung von Kulturphilosophie und philosophischer Anthropologie ist über Cassirers Positionierung des Menschen als „animal symbolicum“ zu leisten, die er in seinem „Versuch über den Menschen“ dargelegt, sowie über den ethnologischen Blick von Lévi-Strauss, von dessen Gegenüberstellung von „primitivem“ und „zivilisiertem“ Denken zum einen an Rousseau angeknüpft werden kann, von dessen Überlegungen zum Zusammentreffen von Mythos und Wissenschaft aus zum anderen noch einmal der im Prometheus Mythos thematisierte Übergang vom Mythos zum Logos zu hinterfragen ist. Dass der Kulturbegriff heute stärker denn je als identitätsstiftende Abgrenzung verwendet wird, wirft die Frage der Verhältnisbestimmung der Kulturen untereinander auf. Zur Klärung sollen im Seminar verschiedene kulturrelativistische Ansätze (Herskovits, Patzig und Feyerabend) diskutiert werden, mit denen die ethische Dimension der Kulturphilosophie zu eröffnen ist.

 

SS 2004  

Zur Genealogie der Neuzeit: Die Entdeckung der Unendlichkeit in Philosophie und Kunst (Cusanus, Bruno, Blumenberg, Panofsky)
Die Analyse des Prozesses menschlicher Selbstbehauptung im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit bildet die Grundlage für das Verständnis des modernen Welt- und Menschenbildes. Hans Blumenbergs Versuch, zwei Philosophen in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken, an deren Werk sich wegweisende Aspekte dieser geistes- und kulturgeschichtlichen Schwellensituation zei-gen, soll im Seminar zum Anlass für folgende Schwerpunktsetzungen genommen werden.
1.Hans Blumenbergs Suche nach dem Ursprung neuzeitlichen Denkens als Epochenschwelle
2.Vor der Epochenschwelle: Nikolaus von Kues und seine Lehre der docta ignorantia und der coincidentia oppositorum. Die Neubestimmung der drei mittelalterlichen Wirklichkeitsbereiche Mensch, Gott und Welt durch paradoxe Begriffskonstruktionen wie Gott als dem „Nicht-Anderen“.
3.Nach der Epochenschwelle: Giordano Brunos Infinitisierung des Universums. Der Griff des Menschen ins Universum und die Verlegung des Göttlichen in die Welt.
4.Wissenschaft und Weltbild: Die Deutung des von Kopernikus begründeten Übergangs vom geo- zum heliozentrischen Weltbild, bzw. vom geschlossenen zum unendlichen Universum.
5.Exkurs I: Der Zusammenhang der Entdeckung der Unendlichkeit und der Erfindung der Perspektive und ihre Bedeutung für Philosophie und Kunst der Renaissance.
6.Exkurs II: Die kopernikanische Wende als Paradigmenwechsel und die wissenschafts-theoretischen Überlegungen Thomas Kuhns.

 

WS 2003/04  
Zum Verhältnis von philosophischem und künstlerischem Ausdruck – Spinoza im Kontext seiner Zeit

Dass der Philosoph Baruch de Spinoza und der Maler Johannes Vermeer in unmittelbarer zeitlicher und räumlicher Nähe gearbeitet haben, stellt nur den äußeren Anlass des Versuchs einer Parallelisierung zweier Phänomene dar.Spinoza setzt einen Menschen in den Mittelpunkt seiner Philosophie, der in der Loslösung von äußeren Bezugskategorien eine neue Form selbstbestimmten und freiheitlichen Denkens und Handelns zum Ausdruck bringt. Damit verwirft Spinoza auf radikale Weise alle bis dahin bekannten ethischen, erkenntnistheoretischen und ontologischen Konzeptionen. Die Verwirklichung der Immanenz, der auf sein eigenes Dasein gerichtete Blick des Menschen lässt sich als ein Phänomen der Epoche Spinozas auch in der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts nachweisen.Die Frage, ob oder in welchem Maße ein Kunstwerk und ein philosophischer Text als verschiedene Ausdrucksformen einer verwandten Grundhaltung betrachtet werden können, soll im Seminar als kunstphilosophisches Problem erörtert werden und die Auseinandersetzung mit den Werken des Philosophen Baruch de Spinoza und des Malers Johannes Vermeer begleiten.